Auf dieser Seite finden Sie eine Auswahl psychoanalytischer und psychotherapeutischer Fachzeitschriften. Die Übersicht verweist auf aktuelle Veröffentlichungen der jeweiligen Zeitschriften.

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  • Sally Swartz: Psychoanalyse und Kolonialismus
  • Assistierter Suizid – eine psychoanalytische Perspektive

    Aktuelle Daten zeigen eine zunehmende Inanspruchnahme assistierter Suizide sowie die zentrale Bedeutung psychischer Belastungen und die häufige Ambivalenz von Sterbewünschen. Vor diesem Hintergrund wird das Anliegen eines asisstierten Suizids nicht als rein autonomer Entschluss verstanden, sondern auch als Ausdruck unbewusster Konflikte und Beziehungsmuster. Dieses psychoanalytisch-relationale Autonomieverständnis ist nicht widerspruchsfrei mit der juristischen Konzeption der Freiverantwortlichkeit vereinbar. Auf Grundlage klassischer und aktueller psychoanalytischer Konzepte und anhand dreier Fallvignetten werden Anliegen eines assistierten Suizids als kommunikative Phänomene ausgewiesen, die im Spannungsfeld von Autonomie und Abhängigkeit, Kontrolle und Ausgeliefertsein entstehen. Zugleich verdeutlichen die Fälle, dass psychotherapeutische Beziehungen, Ambivalenz verstehbar machen und neue Handlungsspielräume eröffnen können. Der Beitrag plädiert für eine stärkere Berücksichtigung psychodynamischer Perspektiven in der klinischen und gesellschaftlichen Diskussion.

  • Verwilderung

    Der Autor liest Helen Macdonalds – mittlerweile auch verfilmten – autobiographischen Bestseller »H is for Hawk« (2014; dt. »H wie Habicht«, 2026) als eine ökologisch gerahmte Gewaltphantasie im Dienst der Trauer – als die erzählerische Darstellung extremer Trauerrituale – und zugleich als einen Essay über Lektüreerfahrungen. Mit dem Ziel, eine Theorie des Erzählens-als-Objektbeziehung zu entfalten, wirft der Beitrag mithilfe von Freud, Winnicott, dem höfischen Roman des Hochmittelalters und Boccacios »Decamerone« Blicke in die Geschichte des Erzählens, der Psychoanalyse der Objektbeziehungen und der Anthropologie der Bindung. Macdonalds Buch lässt sich, so die zentrale These, als Aktualisierung eines alten Erzählmusters deuten, mit dem es mehr gemeinsam hat als eine Faszination für halbgezähmte Beutegreifer, nämlich dem der »Verwilderung« in mittelalterlichen höfischen Abenteuererzählungen..

  • Reisen durchs Reich des Widersinns
  • Mikroaggressionen als Manifestation struktureller ­Diskriminierung in der Psychotherapie

    Diskriminierung ist mit einer Vielzahl negativer körperlicher und psychischer Gesundheitsvariablen assoziiert und wirkt als chronischer Stressor im Sinne des Minority Stress Models. Ein in der klinisch-psychologischen Forschung zunehmend berücksichtigter Aspekt in dem Kontext sind Mikroaggressionen, verstanden als subtile Formen alltäglicher Diskriminierung. Der vorliegende Beitrag fasst theoretische und empirische Befunde zu Mikroaggressionen zusammen und diskutiert deren klinische Relevanz für die Psychotherapie. Die Befundlage zeigt konsistente Zusammenhänge zwischen dem Erleben von Mikroaggressionen und erhöhter psychischer Belastung. Auch im psychotherapeutischen Kontext scheinen Mikroaggressionen regelmäßig aufzutreten und mit einer schwächeren therapeutischen Allianz sowie geringeren Therapieerfolgen assoziiert zu sein. Es werden Praxisimplikationen im Sinne einer kulturell demütigen Grundhaltung diskutiert, insbesondere in Hinblick auf die Notwendigkeit zu kritischer Selbstreflexion und diskriminierungssensiblen Handlungskompetenzen.

  • Die Erfassung rassismus­basierter Stress- und Trauma­reaktionen bei BPoC in ­Deutschland

    Bislang fehlen in Deutschland Ansätze, die Rassismuserfahrungen als mögliche Traumaursache berücksichtigen, sowie Instrumente, die es Betroffenen ermöglichen, einen Zusammenhang zwischen Rassismuserfahrungen und psychischen Belastungsreaktionen selbst einzuschätzen. Daher wurde eine übersetzte Version der Race-Based Traumatic Stress Symptom Scale – Short Form (RBTSSS-SF; Carter & Pieterse, 2020) im Rahmen einer explorativen Studie an einer Stichprobe in Deutschland angewendet. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass alltagsrassistische Ereignisse mit Stress- und Traumareaktionen einhergehen können. Bei 25.5 % der Befragten, die die Rassismuserfahrung als unerwartet, emotional schmerzhaft und unkontrollierbar erlebten (n = 115), lag ein Hinweis auf rassismusbasierten Stress und bei 21.1 % auf rassismusbasiertes Trauma vor. Mit dem Einsatz der RBTSSS-SF können rassismusbetroffene Klient*innen unterstützt werden, Rassismuserfahrungen im therapeutischen Kontext zu thematisieren. Insgesamt erwiesen sich sechs der sieben Subskalen der RBTSSS-SF als intern konsistent. Die Inkonsistenz der Subskala Vermeidung gilt es als Limitation genauer zu untersuchen und gegebenenfalls über die Entwicklung neuer Items zur Erfassung traumabezogenen Vermeidungsverhaltens zu beheben. Eine zukünftige Normierungsstudie für den deutschen Kontext wird als sinnvoll erachtet.

  • Rassismuskritik als ­Professionalisierungsaufgabe in der Psychotherapie

    Rassismus ist im psychotherapeutischen Kontext in Deutschland bislang vergleichsweise wenig systematisch untersucht, obwohl bestehende Arbeiten auf seine Relevanz für psychische Gesundheit, Zugang zu Behandlung, Diagnostik, therapeutische Beziehung und Behandlungsverlauf verweisen. Der Beitrag rekonstruiert anhand von drei veröffentlichten Fachberichten der Fachtagsreihe »Psyche und Rassismus«, wie Rassismus im psychotherapeutischen Kontext als professionelle Herausforderung gedeutet wird. Methodisch ist die Analyse als explorative reflexive dokumentenbasierte Synthese angelegt; die Fachberichte werden als Dokumente eines praxisbasierten Professionalisierungsprozesses gelesen. Rekonstruiert wurden vier professionelle Deutungsmuster: Erstens wird Rassismus als Gewalt- und Traumageschehen mit klinischer Bedeutung verstanden. Zweitens erscheint er als Herausforderung für die therapeutische Beziehung und die professionelle Positionierung. Drittens wird Rassismuskritik als Querschnittsaufgabe psychotherapeutischer Qualifizierung interpretiert. Viertens wird sie als Bedingung für die professionelle Teilhabe von »Black, Indigenous and People of Color (BIPoC-)«-Fachkräften betrachtet. Die Analyse zeigt, dass Rassismuskritik in den Fachberichten nicht als Zusatzthema einzelner Engagierter, sondern als Bestandteil psychotherapeutischer Professionalität gedeutet wird. Sie betrifft Diagnostik und Behandlung, therapeutische Beziehung, Aus- und Weiterbildung, Supervision sowie institutionelle Rahmenbedingungen.

  • Höheres Risiko – weniger Daten?

    Geschlechts- und diversitätsbezogene Unterschiede in der Entwicklung einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) sind gut bekannt. Gleichzeitig bestehen in der Psychotraumatologie erhebliche Datenlücken, die eine evidenzbasierte und bedarfsgerechte Versorgung erschweren. Dieser Beitrag fasst die Ergebnisse von vier systematischen Übersichtsarbeiten zusammen, die unterschiedliche Aspekte geschlechts- und diversitätsbezogener Datenlücken in der Traumaforschung untersuchten. Die Befunde zeigten übereinstimmend, dass Personen, die aufgrund ihres biologischen oder sozialen Geschlechts sowie weiterer Diversitätsmerkmale benachteiligt werden, trotz eines erhöhten Risikos für die Entwicklung einer PTBS in der Forschung deutlich unterrepräsentiert sind. Eine konsequente Berücksichtigung von Geschlecht und weiteren Diversitätsdimensionen ist daher essenziell, um die Evidenzbasis zu erweitern und eine gerechtere Gesundheitsversorgung zu fördern. Aktuelle Entwicklungen, wie z. B. ein Anstieg diskriminierungssensibler psychotraumatologischer Forschung, weisen darauf hin, dass diese Defizite zunehmend adressiert und wichtige Impulse für eine geschlechter- und diversitätssensible Psychotraumatologie gesetzt werden.

  • Ein ungeplanter Begleiter

    Der Beitrag beschreibt Erfahrungen aus der ambulanten Traumatherapie mit einem Hund, der seit vielen Jahren regelmäßig im Behandlungsraum anwesend ist. Anhand mehrerer Fallvignetten wird dargestellt, welche Bedeutung seine Anwesenheit insbesondere bei traumatisierten Patient:innen gewinnen konnte. Beobachtet wurden u. a. Funktionen als Eisbrecher und Beziehungsbrücke, als Quelle subjektiver Sicherheit, als Bezugspunkt im Hier und Jetzt sowie als Erfahrungsraum für Nähe, Distanz und Grenzen. Zugleich werden Grenzen und mögliche Risiken thematisiert, insbesondere die Freiwilligkeit des Kontakts, mögliche Ängste oder Vorbehalte aufseiten der Patient:innen sowie das Wohlergehen und die Belastungsgrenzen des Tieres. Die beschriebenen Erfahrungen stellen keine standardisierte tiergestützte Intervention und keinen Wirksamkeitsnachweis dar, sondern werden vor dem Hintergrund der bislang heterogenen Forschung zu Mensch-Tier-Interaktionen und tiergestützten Interventionen bei Trauma und PTBS diskutiert.

  • Mitteilungen der DeGPT
  • Rassismus, Diskriminierung und ­gesellschaftliche Ungleichheit
  • Mitteilungen der GPTG
  • Der ukrainischsprachige ­»Perceived Ability to Cope With Trauma (PACT)«-Fragebogen

    Copingflexibilität gilt als wichtiger Schutzfaktor nach potenziell traumatischen Erfahrungen. Der Perceived Ability to Cope with Trauma Questionnaire (PACT) erfasst die Dimensionen Trauma-Fokus und Forward-Fokus, liegt jedoch bislang nicht validiert auf Ukrainisch vor. In einer querschnittlichen Online-Studie wurden 321 ukrainische Geflüchtete in Deutschland und Polen untersucht. Analysiert wurden Reliabilität, faktorielle Validität und Konstruktvalidität der ukrainischen PACT-Version mittels interner Konsistenzanalysen, konfirmatorischer Faktorenanalyse, Korrelations- und Regressionsanalysen. Die Skala zeigte eine gute Reliabilität (Gesamtskala α = .91), und die theoretisch postulierte zweifaktorielle Struktur konnte bestätigt werden. Höhere Copingflexibilität war mit geringerer posttraumatischer Belastung, Depression, Angst und Einsamkeit sowie mit höherer sozialer Unterstützung und stärkerem Integrationsgefühl assoziiert. Insbesondere Forward-Fokus erwies sich als konsistenter negativer Prädiktor psychischer Belastung. Die ukrainische Version des PACT stellt ein reliables und valides Instrument zur Erfassung traumabezogener Copingflexibilität dar.

  • Behandlung der Posttraumatischen ­Belastungsstörung bei komorbiden ­psychischen Störungen

    Psychische Komorbiditäten sind bei der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) eher die Regel als die Ausnahme und stellen Behandelnde häufig vor komplexe therapeutische Entscheidungen. Lange Zeit wurden komorbide psychische Störungen als mögliche Kontraindikation für eine traumafokussierte Psychotherapie angesehen, sodass betroffene Patient:innen häufig von evidenzbasierten Behandlungen ausgeschlossen oder diese erst nach einer Behandlung der Komorbidität angeboten wurden. Die aktuelle Evidenz spricht gegen dieses Vorgehen. Der vorliegende Artikel gibt einen Überblick über die Empfehlungen der neuen S3-Leitlinie zur Behandlung der PTBS bei komorbiden psychischen Störungen. Im Mittelpunkt steht die Empfehlung, Patient:innen mit PTBS und komorbiden psychischen Störungen grundsätzlich eine traumafokussierte Psychotherapie anzubieten. Darüber hinaus wird erläutert, warum komorbide psychische Störungen im Rahmen eines individuellen Gesamtbehandlungsplans berücksichtigt werden sollten und weshalb nicht die Diagnose einer Komorbidität, sondern eine aktuell bestehende schwerwiegende Einschränkung der Verhaltenskontrolle für die Indikationsstellung entscheidend ist. Der Artikel fasst die zugrunde liegende Evidenz zusammen, beschreibt den systematischen Prozess der Evidenzbewertung und diskutiert die klinischen Konsequenzen der Empfehlungen sowie den zukünftigen Forschungsbedarf.

  • Mitteilungen des FVTP